Eine 10 mit 21 Nullen

 

Überwachung ist das Geschäftsmodell des Internets. Gelernt von der Werbewirtschaft, wo das Nutzerverhalten gnadenlos ausgespäht wird und reger Handel mit den gesammelten Daten betrieben wird. Den Konsumenten juckt es kaum, erhält dieser doch einen bequemen Service und bessere Produkte. 

 

Diese Gleichgültigkeit der Gesellschaft zum Thema Überwachung und Datenschutz ist erstaunlich, besonders wenn es um Massenüberwachung geht. Edward Snowden hat uns vor 4 Jahren tiefe Einblicke in weltweite Überwachungspraktiken gegeben. Es war der digitale Meteoriteneinschlag, der uns die Augen öffnen sollte, wie angreifbar unsere Privatsphäre im digitalen Raum ist. Wir wurden darüber informiert, dass die amerikanische, nationale Sicherheitsbehörde NSA jede Form der elektronischen Kommunikation überwacht. Auch der britische Geheimdienst GCHQ wurde einer breiten Öffentlichkeit bekannt, welcher das transatlantische Glasfasernetz anzapft und so den digitalen Datenverkehr systematisch überwacht, in enger Zusammenarbeit mit der NSA.

 

Da wurden Telefongespräche von vielen Regierungschefs abgehört und analysiert, ebenso wie die Telefongespräche, Chats und Mails von Millionen (!) Menschen. Der Aufschrei in der Gesellschaft war überschaubar. Gerade in unsicheren Zeiten, wo die Angst vor Terroranschlägen und einer unkontrollierten Masseneinwanderung herrscht, scheint Überwachung Sinn zu ergeben, aber wo sind die Grenzen? Mehr Überwachung bedeutet weniger Freiheit, sind wir Menschen wirklich bereit, für ein vermeintliches Sicherheitsgefühl vermehrt Freiheit aufzugeben? Überwachung macht noch dazu krank! In den Ländern, wo vermehrt Drohnen zur Überwachung eingesetzt werden, wo Killerdrohnen Befehle exekutieren, leiden Menschen unter permanenten Angstzuständen und Schlaflosigkeit.

 

In unserer Gesellschaft scheint die Sorge vor einer Massenüberwachung eher gering zu sein. Themen wie "Internet of Things" (IoT), oder "Wearables" dominieren die Berichterstattung und neue, vernetzte Produkte rufen eher Begehrlichkeiten hervor, als Misstrauen. Mit Amazon Echo zum Beispiel erhält der Kunde ein sprachgesteuertes Audio-Gerät mit 7 Mikrofonen. Die Audiodaten landen auf einem Amazon-Server, damit der digitale Assistent ständig dazulernen kann. Wollen wir aber wirklich, dass jedes Wort von uns abgehört wird, Geheimdienste bei Bedarf die Mikrofone aktivieren? Mit Wearables verhält es sich ähnlich, wollen wir wirklich eine digitale, kommerzielle Totalüberwachung, damit Versicherungen oder unser Arbeitgeber jeden Schritt von uns kontrollieren können? Die hohle Phrase "Ich habe doch nichts zu verbergen" erscheint hier doch in einem anderen Licht. Akustische Überwachung ist bereits gang und gäbe. Weltweit gibt es schätzungsweise an die 14 Milliarden IoT-Geräte, die sich ungesichert schnell in Zombie-Rechner verwandeln können, wenn sich Hacker den oft leichten Zugang verschaffen.

 

Zurück zu den Geheimdiensten. Erst vor kurzem hat wieder Wikileaks 8.761 Dokumente veröffentlicht, die Einblicke in die Cyberspionagepraxis der CIA geben. Die Dokumente offenbaren extreme Schwachstellen in Elektrogeräten, die von den Geheimdiensten ungehemmt genutzt werden.  Somit wäre es für den CIA kein größeres Problem, die Kontrolle über ein selbstfahrendes Auto zu erlangen, um einen Autounfall zu produzieren. Mit dieser Methode ließen sich leicht unerwünschte Personen entfernen und Geheimdienste fackeln da bekanntlich nicht lange herum. Es sind beunruhigende Nachrichten, die uns erreichen.  Und nun gibt es mit Mike Pompeo einen CIA-Direktor, der sich öffentlich die Todesstrafe für Edward Snowden gewünscht hat und sich für Überwachung, Waterboarding und Guantánamo stark macht. Nicht auszudenken, was Julian Assange bei einer Festnahme in den USA wohl erwarten würde?

 

Bei all der Überwachung dürfen die Menschen auch nicht vergessen, was alles passieren kann, wenn sich politische Systeme ändern und die neuen Machthaber auf die gesammelten Datensätze zurückgreifen. Zwar sind Daten wichtig, um Probleme auf unserer Welt zu lösen, aber deswegen darf nicht auf die Datensicherheit vergessen werden. Mich erschrecken immer wieder Politiker, die entspannt sensible Informationen über Ihr Android-Smartphone oder iPhone versenden. Ein sicheres Telefon wird eben als unkomfortabel und langsam betrachtet. Sicherheit bedeutet eben Einschränkungen, doch diesen Einschränkungen wollen viele aus Bequemlichkeit entgehen.

 

Es ist einfach der Traum von Spitzentechnologie alle Systeme auszuspionieren. Die NSA, so haben Berechnungen ergeben, hat bereits ein Zettabyte an Kommunikationsdaten gesammelt. Ein Zettabyte ist eine 10 mit 21 Nullen! Dieses Wachstum ist garantiert - die Nullen werden wachsen und wachsen...

 

Weiterführende Links:

 

Threema (abhörsicherer Messenger)

 

Logbuch Netzpolitik  (Rückblicke, Einblicke und Ausblicke auf das netzpolitische Geschehen)

 

WikiLeaks  (Enthüllungsplattform)

 

Netz aus Glas  (Wie vermeidet man unangenehmen Datenspuren)

 

klicksafe  (das deutsche Safer Internet Centre im Safer Internet Programm der EU)

 

Chaos Computer Club  (Hackervereinigung)

 

 

0 Kommentare

Napflix - die Siesta Plattform

Unlängst bin ich auf diese nette Schlafvideo-Plattform "Napflix" gestoßen. Lange und monotone Videos, die manchmal sogar humorvoll erscheinen,  verhelfen dem User zur perfekten Siesta. Ob nun die "Giro d'Italia 1991", "The Wonderful World of Tupperware" , oder mein persönlicher Favorit "Koala Slow Life", für jeden gibt es das passende Video. Inhalte kommen primär von YouTube und sind kostenlos. Victor Gutiérrez, einer der Ko-Gründer, sucht sich für Napflix persönlich die Videos aus, die ansprechend sind und dann doch den Zuseher in Richtung Schlaf abdriften lassen.  Es ist ähnlich wie in der Schule, wo der Schüler dem Lehrer zuhört, um dann doch in den geistigen Ruhemodus umzuschalten. Napflix möchte das Geheimrezept zum Einschlafen sein.

 

Auf die Idee zu Napflix kam Victor Gutiérrez bei einem langweiligen Fußballspiel im Fernsehen, bei dem er einnickte. Napflix  erreicht pro Monat eine Million User und ist gratis. Aus einer Anfangs lustigen Idee wurde eine Erfolgsgeschichte. Content wird genutzt, um nichts zu tun und  online einmal richtig entspannen zu können. Mit Napflix schafft es die Technik tatsächlich, den User aus der realen Welt in die Traumwelt zu bringen.

 

Ob Napflix nun tatsächlich beim Einschlafen hilft, oder nur völlige Langweile schafft, muss der User schon selbst herausfinden, auf jeden Fall ist Napflix eine nette Idee. Wer nun wirklich einschlafen möchte, dreht einfach den Computer und das Smartphone ab und geht zu Bett.

 

0 Kommentare

Virtual Reality öffnet die Augen!

 

Virtual Reality ist ein mächtiges Medium. Virtual Reality verändert unsere Wahrnehmung und die Berichterstattung. Mit der VR-Brille auf der Nase taucht der Mensch mit voller Aufmerksamkeit in die virtuelle Welt ein. Nicht immer ist das angenehm, wenn man die virtuelle Realität betritt, ohne den Filter der heilen Welt. Es ist ein Quantensprung des Journalismus, um Reportagen besser erleben und verstehen zu können. Mit Virtual Reality rücken die Zuschauer direkt ins Geschehen.

 

Sehr eindrucksvoll hat das die Tierschutzinitiative animal|Equality mit der 360-Grad-Dokumentation "Durch die Augen eines Schweins" umgesetzt. Der teilweise undercover gedrehte Film lässt den Zuschauer das Leben eines Mastschweins aus der Perspektive des Schweins erleben. Ganze 12 Minuten kann sich der Zuseher in das Tier hineinversetzen und die Schrecken der Massentierhaltung durch die VR-Brille erleben. Thomas D, Sänger der deutschen Hip-Hop-Gruppe "Die Fantastischen Vier", begleitet den Zuseher als Sprecher im Video und trägt viel dazu bei, dass man sich in die Situation des Tieres hineinversetzen kann.

 

Die Dokumentation ist wirklich heftig, besonders der Teil mit der Schlachtung. Bei einer der ersten Vorführungen weinten viele Leute aus dem Testpublikum. Einige andere nahmen schon nach ein paar Minuten die VR-Brille vom Kopf, da die Bilder nicht zu ertragen waren. Es ist ein Härtetest für Menschen, die nicht mehr ihre Augen vor dem Tierleid verschließen wollen und den ausufernden Fleischkonsum unserer Gesellschaft hinterfragen. Virtual Reality bietet uns Menschen die Möglichkeit, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen, Verantwortung zu übernehmen und unsere Lebensweisen zu ändern.

 

Virtual Reality ist die perfekte Technologie, für das emotionale Erzählen. Viele Medien (z.B. The New York Times) setzen hier schon auf 360-Grad-Videodokumentationen und lassen Menschen die Wirklichkeit besser erfassen. Ja, Virtual Reality öffnet uns in vielen Dingen bereits die Augen und ich bin schon gespannt auf neue, bewegende VR-Projekte!

 

Hier die 360-Grad-Dokumentation "Durch die Augen eines Schweins - iAnimal 360° mit Thomas D" - ACHTUNG: Dieses 360-Grad-Video kann auf manche Menschen verstörend wirken!

 

Mittlerweile gibt es schon ein weiteres 360-Grad-Video, dass bewegende Bilder aus dem Leben einer Henne zeigt, erzählerisch begleitet von Christoph Maria Herbst (Stromberg):

0 Kommentare

Männersache Adblocker

Adblocker-Nutzer sind eher männlich und technisch kompetent, so die gängige Meinung in der Digitalbranche. Wenn sich User für einen Adblocker entscheiden, dann ist es ein Warnsignal für die werbetreibende Wirtschaft und bedeutet, dass Online-Werbung wieder attraktiver und ansprechender werden muss. Im Jahr 2015 haben bereits 1/4 der User in Deutschland Displaywerbung geblockt. 2016 sind Adblocker immer populärer geworden.

 

Die Medien beginnen sich natürlich gegen Adblocker zu wehren, bedeuten diese doch finanzielle Einbußen im Online-Geschäft. Ein gutes Beispiel dafür war RTL, dass Anfang 2016 eine Anti-Adblocker-Kampagne startete, um Fans der Reality-Show "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" dazu zu bringen, ihren Adblocker zu deaktivieren, da ansonsten alle IBES-Videos nur noch im Mini-Format ausgespielt würden.

 

Mittlerweile gibt es schon einen Blocker gegen Adblocker. Das Unternehmen Sourcepoint bietet Publishern Inhalteblocker für Adblock-Nutzer an. So ist ein technisches Wettrüsten entstanden, denn Adblocker provozieren Anti-Adblock-Systeme und diese im Gegenzug wiederum Anti-Anti-Adblock-Systeme - ein reines Hase- und Igel-Rennen.

 

Im Idealfall setzen die Publisher auf Aufklärung, um den User darüber zu informieren, dass kostenloser Content nur aufgrund von Werbefinanzierung möglich ist.

 

Ein großes Ziel sollte es aber sein, Online-Werbung wieder attraktiver zu gestalten. Es ist schon eine ordentliche Leistung, dass es die Kreativen seit über 15 Jahren nicht geschafft haben, Werbeformate zu kreieren, die nicht nerven. Dabei könnte es so einfach sein, Online-Werbung soll Informationen vermitteln, unterhalten und relevant sein.

 

Für 2017 schaut es wieder besser aus, wird doch ein Rückgang bei der Ad-Blocker-Nutzung prognostiziert. Aber vielleicht werden wir Männer auch nur vernünftiger im Umgang mit der Technik ; )

 

Weiterführende Links:

 

Adblocker - Wie sich Medien wehren

Adblocker auf dem Desktop weiter rückläufig

Adblocker verbieten?

 

0 Kommentare

Brave - ein Browser für die Privatsphäre

 

Brendan Eich, der Erfinder von Javascript und Mitbegründer von Firefox, möchte mit dem Webbrowser "brave" das System der Online-Werbung grundlegend verändern. Durch brave soll das Einsammeln von Nutzerdaten durch externe Überwachungsprogramme blockiert werden. Die Daten sollen beim User bleiben und nicht von der Werbewirtschaft ausgewertet werden. Auf brave soll nur Werbung ausgespielt werden, wenn der User zustimmt und wenn die Werbung völlig auf Tracking, also die Zuordnung und Verfolgung des Users, verzichtet.

 

Der User kann beim Verwenden des Browsers zwischen Ad-free oder Ad-replacement wählen und die Cookie-Nutzung genau nach seinen Wünschen definieren. Im Modus Ad-replacement sollen Nutzer, Werbepartner und brave mit jeweils 15% entlohnt werden, die restlichen 55% entfallen auf die Publisher.

 

Die Idee ist interessant, aber der Browser-Markt hart umkämpft und brave benötigt erst einmal mehr Browser-Clients. Ich bin gespannt, wie sich brave in der nächsten Zeit weiterentwickeln wird. Wie lautet doch ein brave-Credo: "It's your device. It's your time. So make it your Internet".

 

Weiterführende Links:

Brave for iOS

Brave for Android

Brave for OSX/Windows/Linux

Warum nutzen Menschen Adblocker?

 

4 Kommentare